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Hermann Alexander Pietzcker

Hermann Alexander Pietzcker wird am 18. Dezember 1850 in Tägerwilen als Sohn des Friedrich Alexander Pietzcker und der Johanna Katharina Hippenmeyer geboren.

Pietzcker, Hermann Alexander (aus dem Nachruf in der Luzerner Chronik)

Schon im folgenden Jahr zieht die Familie nach Luzern, wo er vermutlich seine Kindheit verbringt. 1863/64 besucht er in Luzern die erste und 1864/65 die zweite Klasse des Gymnasiums (Kantonsschule), kann aber nicht weiter steigen.

Circa 1861/1864 lassen sich seine Eltern scheiden. Über den Aufenthaltsort von Hermann Alexander ist nichts bekannt. Ursprünglich Bürger von Lindau, erhält er ca. 1866 (möglicherweise zusammen mit seinem Vater) das Bürgerrecht von Vira-Gamborogno TI, bis er schlussendlich 1882 in Luzern eingebürgert wird.

1873 erhält er die Niederlassungsbewilligung in der Stadt Luzern. Vermutlich leistet er in dieser Zeit Militärdienst. 1876 ist er Oberleutnant der Kavallerie (Dragoner). 1877-1878 wird er zur k.u.k Armee abkommandiert.

Möglicherweise lernt er in diesem Aufenthalt die Baronin Margaretha Maria Franziska Johanna (genannt Margit) Apor de Altorja kennen. Sie heiraten 1881 römisch-katholisch in Baden-St. Stephan bei Wien1 und verpflichten sich zur katholischen Erziehung ihrer Kinder. Trauzeuge ist. u.a. sein Bruder Hugo, Leutnant.

In Luzern haben sie dann 5 Kinder: Gabriele (1882-1929), Jeanne (1884-1955), Alice (1887-1976), Marie (1890-1956) und Marguerithe (1898-1978).

Hermann setzt seine militärische Karriere fort, 1879 wird er Hauptmann, dann Major, 1887 Kommandant des Dragonerregiments IV, 1891 Instruktor der I. Klasse der Kavallerie, dann Oberstleutnant. Aus dieser Zeit scheint auch seine enge Freundschaft mit dem späteren General Ulrich Wille zu stammen.

1896 endet seine Karriere: Pietzcker war 1896 als Kommandant der Kavalleriebrigade 4 vorgeschlagen worden (Wille war damals Waffenchef der Kavallerie), wurde aber vom Bundesrat nicht berücksichtigt. Gewählt wurde der Aargauer Oberst Markwalder. Darauf demissionierte Pietzcker. Diese sogenannte "Markwalder-Affäre" war auch der Auslöser für die Demission von Wille 1896.

1897 sehen wir ihn in Luzern als Verfasser der Wohnungsenquête der Stadt Luzern. 1899-1900 besitzt er zusammen mit Hans Pfyffer eine Firma "Pietzcker & Co." an der Haldenstrasse 23 (Nationalhof) zum Cigarren- und Cigarettenimport. 1901 wird er erster Direktor des Internationalen Kriegs- und Friedensmuseum, nach Streitigkeiten im Verwaltungsrat demissioniert er 1903.2

Auch in seiner weiteren wirtschaftlichen Tätigkeit scheint er wenig Erfolg gehabt zu haben. Ende 1906 erscheint im Kantonsblatt ein Schuldenruf, kurz darauf behandelt der Ortsbürgerrat Luzern eine Eingabe von Hermann Pietzker in der er wünscht, "veranlasst durch seine in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen, der Unzulänglichkeit seiner Geschäftskenntnisse und seine gutmütige Leichtgläubigkeit" sich auf eine Reihe von Jahren freiwillig unter Vormundschaft in Form der Verbeiständung (Beistandschaft) zu begeben. Als Vormund wird auf seinen Wunsch Regierungsrat J. Schobinger bestimmt. Am gleichen Tag wird die Vergültung der Liegenschaft Felsberg genehmigt. Hermann scheint stark verschuldet zu sein.

An der Pension war er jedoch nie aktiv beteiligt. Bis zu ihrem Tod 1905 wurde sie durch die Mutter Jeanette geführt, danach gründeten deren Erben (Hermann Alexander, Hugo, und die Kinder des Hermann, Gabrielle Balthasar-Pietzker, Jeanne Pietzcker und die minderjährigen Alice, Marie und Marguerithe (letztere mit Beistand des Oberst Ulrich Wille) die Aktiengesellschaft "J. Pietzcker’s Erben, Pension Felsberg". Einzige Vertreterin der Gesellschaft war aber Marguerite Pietzcker, Hermanns Ehefrau.

Über seine weiteren Tätigkeiten ist nicht bekannt.

Am 15. August 1932 stirbt er in Luzern.

Werke:

  • Rückblick und Neujahrswünsche eines Kavalleristen. In: Allgemeine schweizerische Militärzeitung, 26=46/10 (1880)
  • Die Pferdepflege während der Manöver, zum Gebrauch der Schweiz. Kavallerie auf dienstliche Veranlassung zusammengestellt. 1887.
  • Eine zeitgemässe Reorganisation zum Vortheile des Staates, der Armee und der Waffe, angeregt durch einen Stabsoffizier der eidgen. Kavallerie. Luzern 1890.
  • Die Wohnungs-Enquête in der Stadt Luzern vom 10. Mai bis 3. Juli 1897. Luzern 1898.
  • Die Manöver des I. Armeekorps 1903. Basel 1904.
  • Die Manöver des III. Armeekorps 1904. Basel 1905 (Allgemeine Schweizerische Militärzeitung. Beilage; 1905, H. I).
  • Erinnerungen aus meiner Dienstzeit. Pfäffikon-Zürich 1925.

Detailliertere Informationen zur Person und zur weiteren Verwandtschaft finden sich im separaten Stammbaum.

 

Diese Seite zuletzt geändert: 2017-10-13

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  1. Mit einer Dispens vom bischöflichen Ordinariat in Luzern" vom 28.11.1880: siehe http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/baden-st-stephan/02-12/?pg=191 []
  2. Bürgi, S. 84, sowie: Walter Troxler, Daniela Walker, Markus Furrer (Hg.), Jan Bloch und das internationale Kriegs- und Friedensmuseum in Luzern, 2010, S. 133; Delf Bucher .. [et al.]., Friedenstauben und Krupp-Kanonen : 100 Jahre Internationales Kriegs- und Friedensmuseum Luzern., 2002, S. 27 []