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Mitarbeitende

Mitarbeitende

Mitarbeitende der Pension, ca. 1902. Hirsbrunner Luzern (Privatbesitz).

Dieses Bild zeigt einen Teil des Personals der Pension Felsberg, Im Hintergrund sehen wir links den Pavillon und rechts das Waschhaus 2. Der Fotograph von Foto Hirsbrunner stand an der Süd-Ost-Ecke des Pavillons.

Pavillon, Südansicht (Hotelarchiv Schweiz HAS_030.A508)

Die Foto entstand um 19021, bevor der Pavillon 1903/1904 durch einen Anbau auf der Nordseite ergänzt und das Waschhaus 1908 abgerissen wurde. Weiteres Indiz für die Datierung: Die Rückseite der Foto ist mit einer Zeitung von 1902 überklebt.

Detail Dienstmann mit Mütze, aus: Mitarbeitende der Pension, ca. 1902. Hirsbrunner Luzern (Privatbesitz).

Gut zu erkennen sind Dienstmann mit der beschrifteten Mütze, der Koch in seinen weissen Kleidern, daneben Kellnerinnen, Küchenmägde, Dienstmädchen, Wäscherinnen, Gärtner etc.

Auswertungen

Nähere Informationen zu den Mitarbeitenden existieren nicht. Deshalb wird mithilfe der angemeldeten Einwohner aus dem Häuserverzeichnis2 näherungsweise rekonstruiert, wieviele Personen in der Pension arbeiteten. In der Regel waren Kost und Unterkunft Teil der Entlöhnung.3

Die Kontrolle des Häuserverzeichnisses ab 1891 zeigt, dass fast alle Personen mit ständigem Wohnsitz (also nicht Hotelgäste) und hotelnahen Berufen unter der Adresse des Pensionsgebäudes (Felsbergstrasse 15) angemeldet waren.
Ausnahmen waren die Pächter an der Felsbergstrasse 4, die Ordensschwestern an der Felsbergstrasse 6 und die verschiedenen als Privat4 bezeichneten Personen und die manchmal auch aufgeführten offensichtlichen Langzeit-Hotelgäste: Sie wurden hier nicht mitgezählt.

DIe nachfolgende Tabelle zeigt die Anzahl Personen mit Hotel-Berufen pro Kalendermonat5. Diese Zählung kann bei Wechseln innerhalb eines Kalendermonats zu überhöhten Zahlen führen. Es ist durchaus aber auch möglich, dass einzelne Mitarbeitende andernorts wohnten und damit nicht mitgezählt wurden.

Tabelle: Beschäftigte 1891-1943 (Personen mit Hotelberufen, angemeldet in der Felsbergstrasse 15).
Dünne Linie: Zählung pro Kalendermonat. Dicke Linie: Gleitender Durchschnitt über 12 Monate

Deutlich zu erkennen sind die saisonalen Schwankungen. Ein grosser Teil der Hotelangestellten zog im Winter in die französische oder italienische Schweiz, die besser Qualifizierten auch nach Italien oder Frankreich.6

Auf dem Felsberg waren in der Saison/Hochsaison von Mai-September am meisten Personen beschäftigt. In den beiden Spitzenjahren 1908 und 1914 waren dies über 40 Personen, in den Winter- und Zwischensaison weniger als 10.7 Nur selten war das Hotelpersonal ganzjährig oder über mehrere Jahre angestellt.

Im Gegensatz dazu stehen die Krisenjahre im ersten Weltkrieg, ein kurzer Aufschwung zum Ende des Krieges und danach eine Konsolidierung auf tieferem Niveau. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges brachte den erneuten EInbruch bis zur Schliessung 1943.

Berufe8

Am meisten Personen arbeiteten in der Regel als Zimmermädchen, die meist am schlechtesten bezahlte Stelle des Hotelpersonals.9 Zum Hotelbereich gehörten auch die grosse Gruppe im Bereich Wäsche (Lingère, Wäscherin, Glätterin), Magd, Dienstmädchen, Haushälterin, Gouvernante, und die Concièrges und Portiers.

Zum Verpflegungsbereich gehörten die Saaltöchter, Kellnerinnen (selten auch Kellner), Offficemädchen und Officeburschen. Im der Küche arbeiteten Koch, Köchin, manchmal ein Chef de Cuisine, sowie Casseroliers, Küchenmägde und Küchenburschen. Über mehrere Jahre hinweg wurde saisonal auch ein Konditor oder Patissier und eine Kaffeeköchin beschäftigt.

Ab 1909 wurde regelmässig während der Saison eine Hotelsekretärin beschäftigt.

Zu den ganzjährig Angestellten gehörten in der Regel 1-3 Gärtner, was in Anbetracht der ausgedehnten Gartenanlage und des Baumbestandes nicht überrascht

Daneben gab es auch eher überraschende Berufsangaben wie den Kegelbuben (1896), die Masseuse (1903), den Liftier (1909 und 1921, von einem Lift ist nichts bekannt, er arbeitet im Felsberg wohl in einer anderen Charge), den Condukteur (1912 und 1914, vermutlich ein Chauffeur), den Schneider (1917).

 

Diese Seite zuletzt geändert: 2018-09-16

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  1. Die Foto wurde 2018 in einem Brockenhaus in Meggen gefunden und an den Autor vermittelt. Über die weitere Herkunft konnte nichts herausgefunden werden []
  2. Häuserverzeichnis Felsbergstrasse, SALU B3.22/B3.92 und Häuserverzeichnis Landbezirk No. 634g, SALU B3.22/B3.113 []
  3. Brunner, S. 104 []
  4. vermutlich handelte es sich dabei um Pensionsgäste mit längerem Aufenthalt []
  5. gezählt wurde, wer innerhalb eines Kalendermonats angemeldet oder abgemeldet wurde []
  6. Brunner, S. 114 []
  7. Huber, S. 180, postuliert eine Verhältniszahl von 2.8 Betten je Hotelangestellten. Möglicherweise ist dies für Pensionen gegenüber Hotels zu korrigieren, zudem sind die hier erhobenen Zahlen mit Vorsicht zu verwenden, aber sie geben doch Hinweise auf die Auslastung. []
  8. Allgemein zur Situation der Luzerner Hotelangestellten: Brunner, 101ff. []
  9. Zur Hierarchie, den Stellenvermittlungstarifen und den Durchschnittseinkommen siehe Brunner, S. 103-105 []
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